{"id":1623,"date":"2023-12-14T00:28:24","date_gmt":"2023-12-13T23:28:24","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.phil.hhu.de\/anglophoneliteratures\/?p=1623"},"modified":"2023-12-14T00:29:04","modified_gmt":"2023-12-13T23:29:04","slug":"zur-ubersetzung-von-kaaron-warrens-hive-of-glass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.phil.hhu.de\/anglophoneliteratures\/2023\/12\/14\/zur-ubersetzung-von-kaaron-warrens-hive-of-glass\/","title":{"rendered":"Zur \u00dcbersetzung von Kaaron Warren&#8217;s Hive of Glass"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer Gruppe von sechs Personen gemeinsam zu \u00fcbersetzen, bringt einige Herausforderungen mit sich. Nach der halbwegs gerechten Aufteilung der \u00dcbersetzungsabschnitte unseres vergleichsweise langen Texts unter Ber\u00fccksichtigung pers\u00f6nlicher Pr\u00e4ferenzen gilt es etwa, bestimmte Einzelbegriffe, beispielsweise <em>fishwives <\/em>oder<em> bablies<\/em>, konstant zu behandeln. Auch Stil und Ton der \u00dcbersetzung sollten koh\u00e4rent gehalten werden, damit das finale Leseerlebnis ultimativ so klingt, als l\u00e4ge ein einziger, zusammenh\u00e4ngender Text und kein Flickenteppich aus sechs Einzelwerken vor der Leserschaft. Gemeinschaftliche Absprachen k\u00f6nnen sich ebenfalls als ganz sch\u00f6ne logistische Herausforderung erweisen, wenn nicht alle Teilnehmerinnen immer gleichzeitig verf\u00fcgbar sind, um wichtige Fragen zu kl\u00e4ren, unter anderem: Wie sollen wir mit lokal spezifischen Realia wie Lebensmitteln oder Feiertagsritualen umgehen? Und was machen wir mit der \u00dcberschrift? <em>Hive of Glass<\/em> kann mehrere m\u00f6gliche Bez\u00fcge abdecken \u2013 Seans K\u00f6rper als gesch\u00e4ftiger Hort der Geister, \u201egl\u00e4sern\u201c vielleicht, weil den Leser*innen von au\u00dfen Einblick gew\u00e4hrt wird? Oder die Dorfgemeinschaft, die wie emsige Bienen durcheinandersummen und sich \u00fcberall einmischen, sodass Seans Privatsph\u00e4re immer durchsichtiger verschwimmt? Viele weitere Interpretationen, die einer einigerma\u00dfen treffenden \u00dcbersetzung vorausgehen sollten, sind sicherlich ebenfalls denkbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es herrscht also reger E-Mail-Verkehr in alle Richtungen. Besonders knifflige Stellen m\u00fcssen gesammelt und als Fragen an die Autorin formuliert werden, auf deren unsch\u00e4tzbares Expertenwissen wir dank des Kooperationsprojekts exklusiven Zugriff haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorteile der Schwarmintelligenz f\u00fcr unser \u00dcbersetzungsprojekt sind allerdings auch nicht von der Hand zu weisen. So genie\u00dfen wir den Input von nicht nur einem, sondern mindestens f\u00fcnf Lektor*innen mit tiefenscharfem Einblick in den Gesamttext, was bei Entscheidungsunsicherheiten (z.B. \u201eKam\u201c oder \u201ewar\u201c der Sturm \u201ewie der Zorn Gottes\u201c? Oder \u201ebrachte [er] den Zorn Gottes mit sich\u201c? Oder \u201ebrach [er] wie der Zorn Gottes \u00fcber sie herein\u201c?) und Formulierungsproblemen (z.B. Welche \u00dcbersetzung von Maleachis Bibelzitat erzeugt auf Deutsch eine \u00e4hnlich humoristische Wirkung wie im englischen Original?), ebenso wie bei Verst\u00e4ndnisschwierigkeiten (z.B. Warum \u201ewinkt\u201c Sean den Menschen am Seeufer zu, als er beinahe ertrinkt? Rechercheergebnis: In Australien geh\u00f6rt das zum Standardwissen \u00fcber Surf Safety, was sicherlich auch Sean bei seinem unfreiwilligen Schwimmkurs in der Schule vermittelt wurde \u2013 wer zu ertrinken droht, hebt die Hand, um Hilfe anzufordern!).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In unserem Fall zumindest hat der Einsatz so vieler \u00dcbersetzerinnen an einem einzigen Text zwar sicherlich der Koordination etwas mehr abverlangt als eine \u201enormale\u201c \u00dcbersetzung allein oder maximal zu zweit, daf\u00fcr aber auch ein sehr lohnendes Gemeinschaftserlebnis erm\u00f6glicht, von dem wir alle sehr profitiert haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaaron Warrens <em><a href=\"https:\/\/blogs.phil.hhu.de\/anglophoneliteratures\/der-glaserne-wirt\/\">Hive of Glass<\/a><\/em> haben im \u00dcbrigen alle Gruppenmitglieder pers\u00f6nlich als favorisierten \u00dcbersetzungstext ausgew\u00e4hlt. Fasziniert haben uns daran besonders das mystische Setting des versunkenen Skelton, als Kontrast zu Seans aktueller Heimat im staubig-trockenen Howell, die faszinierenden Pers\u00f6nlichkeiten der Protagonisten, der ungebrochene Bann der alten Geistergeschichte und die durch und durch das Spekulativ-Fiktive des Genres verk\u00f6rpernden Geister, die trotz aller kreativen (und teils auch f\u00fcr Au\u00dfenstehende etwas absto\u00dfenden) Gegenma\u00dfnahmen Seans Leben zu vereinnahmen drohen, verwoben in Warrens mitrei\u00dfend dichtem Stil, authentisch, humorvoll und vor allem vom Anfang bis zum Ende ungemein spannend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielen Dank f\u00fcr diese exquisite Gelegenheit, wir haben unsere Mitarbeit an dem Projekt sehr genossen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer Gruppe von sechs Personen gemeinsam zu \u00fcbersetzen, bringt einige Herausforderungen mit sich. 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