Workshop 2026: Epistemische und argumentative Kompetenzen im Zeitalter multipler Wissenskrisen

Das FWF-Cluster „Knowledge in Crisis“ richtet in Kooperation mir dem Netzwerk „Argumentieren in der Schule“ und der Paris-Lodron-Universität Salzburg einen öffentlichen Workshop aus, der vom 17. bis 19. September 2026 in Salzburg stattfindet:

Epistemische und argumentative Kompetenzen im Zeitalter multipler Wissenskrisen

  • Organisation: Bettina Bussmann und David Lanius (beide Salzburg).
  • Veranstaltungsort: HS 302, Franziskanergasse 1, Paris-Lodron-Universität Salzburg.

Thema

In einer Zeit der Desinformation, Polarisierung und Unsicherheit werden die Fähigkeiten zum kritischen Denken, der Bewertung von Argumenten und der Reflexion von Wissen immer wichtiger. Die Tagung widmet sich primär den Fragen, wie epistemische und argumentative Kompetenzen zu verstehen sind, welche normativen Grundlagen ihnen zugrunde liegen und wie ihre Vermittlung in Schule und in Öffentlichkeit gelingen kann. Diese Fragen sollen aus drei Perspektiven beleuchtet werden: Die Philosophie bildet das fachliche Fundament (insbesondere die Argumentations-, Wissenschafts- und Erkenntnistheorie), auf dem die Philosophiedidaktik ruht und dessen Erkenntnisse für Schule und Öffentlichkeit transformiert werden müssen. Entsprechend stellen sich Fragen in den folgenden drei Bereichen:

Fachphilosophie

  • Wie werden epistemische und argumentative Kompetenzen aus philosophischer Sicht verstanden? Wo gibt es konzeptuelle oder praktische Überschneidungen zwischen diesen Kompetenzen?
  • Wie müssen die philosophischen Bereiche der Argumentations-, Wissenschafts- und Erkenntnistheorie zusammengeführt werden, um die fachlichen Grundlagen für die Konzeptualisierung epistemischer und argumentativer Kompetenzen zu schaffen? Wie kann beispielsweise die Bewertung nicht-deduktiver Argumente durch dezidiert wissenschafts- und erkenntnistheoretische Kriterien verbessert werden?
  • Gibt es bestimmte Kernbegriffe oder bestimmte Inhalte, die gewusst werden müssen, um epistemische und argumentative Kompetenzen zu haben?
  • Welche Rolle spielen intellektuelle Tugenden wie intellektuelle Redlichkeit, epistemische Bescheidenheit oder interpretatives Wohlwollen für epistemische und argumentative Kompetenzen?

Schule

  • Wie sind epistemische und argumentative Kompetenzen aus philosophiedidaktischer Sicht zu verstehen?
  • Wie können diese Kompetenzen im Schulunterricht gefördert werden? Welche didaktischen Konzepte bzw. Methoden sind potentiell geeignet, um den Erwerb solcher Kompetenzen zu unterstützen?
  • Welche Rolle spielen diese Kompetenzen in der schulischen Bildung – insbesondere im Fach Philosophie?
  • Welche Rolle sollten sie spielen? Sollen sie fachlich oder überfachlich vermittelt werden?
  • Wo können Synergien bei der Förderung epistemischer und argumentativer Kompetenzen hergestellt werden?

Öffentlichkeit

  • Wie können epistemische und argumentative Kompetenzen in öffentlichen Diskursen gefördert werden?
  • Inwiefern machen gesellschaftliche Herausforderungen wie Fake News, Verschwörungserzählungen oder Wissenschaftsskepsis die Förderung epistemischer und argumentativer Kompetenzen tatsächlich nötig?
  • Wie lassen sich die Anwendung argumentativer und epistemischer Methoden und ihre philosophische Reflexion verbinden, so dass Menschen in gesellschaftlichen Debatten fundiert Stellung beziehen können?
  • Wie lassen sich intellektuelle Tugenden fördern? Welche Rolle spielen sie bei der Förderung epistemischer und argumentativer Kompetenzen?

Format und Zielgruppe

Die Tagung richtet sich an Philosoph:innen und Philosophiedidaktiker:innen, an Vertreter:innen angrenzender Bereiche sowie an Lehrkräfte und Bildungsverantwortliche. Sie ist kostenlos und offen für Interessierte. Die Vorträge dauern jeweils 30 Minuten und werden von einer 20-minütigen Diskussion gefolgt.

Programm

Donnerstag, 17. September

  • 15 Uhr – David Löwenstein
    Bias und Wohlwollen
  • 16 Uhr – Christoph C. Pfisterer
    Argument und Tatsache
  • 17 Uhr – Keith Harris
    The Contracted Mind: Active Externalism, LLMs, and Human Epistemic Capacities

Freitag, 18. September

  • 9 Uhr – Anna Breitwieser
    Epistemische Kompetenz lehren und lernen
  • 10 Uhr – Marcel Gerlach
    Philosophische Bildung und die Zukunft der deliberativen Demokratie: Wenn kritisches Denken zur Überlebensfrage wird
  • 11 Uhr – Dominik Balg
    Epistemische Bildungsziele und das Problem der angemessenen Evidenzwahl
  • 15 Uhr – Bettina Bussmann
    Was soll Philosophiedidaktik sein – und was nicht?
  • 16 Uhr – Stefan Rinner
    Wenn Argumente versagen: Wie man abwertender und manipulativer Sprache begegnen kann
  • 17 Uhr – Romy Jaster
    Epistemische Aufgeschlossenheit im Desinformationszeitalter

Samstag, 19. September

  • 9 Uhr – Annett Wienmeister
    Argumentieren in der Bioethik mit dem Toulmin-Schema: eine Sackgasse?
  • 10 Uhr – Alexandra Zinke & Wolfgang Freitag
    Zur Rationalität selbstbeeinflussender Überzeugungen