1949 wurde Bonn zwar zur Bundeshauptstadt erklärt, doch im Kontext der internationalen Politik und der Gründungszusammenhänge nach dem Ende des Dritten Reiches war diese „Hauptstadt“ als ein „Provisorium“ vorgesehen.¹ Tatsächlich veränderte sich diese Zielorientierung, begleitet vom Spannungsfeld der real verlaufenden Geschichte zwischen der Etablierung des „Eisernen Vorhangs“ und den „Ostverträgen“. Das begünstigte die Genese einer eigenen mental map, die diese „Bonner Republik“ letztlich auszeichnete. Aus dem „Provisorium“ wurde in rund fünfzig Jahren ein sesshafter Staat, für dessen Zukunft z.B. eine metropolitane Bauplanung für den Großraum Bonn weitgehend abgeschlossen war. Die Realisierung dieser Baupläne stand unmittelbar bevor. Mit der Wende und dem Umzug nach Berlin aber war die Zukunft einer solchen verstetigten Hauptstadt zu Ende. Geblieben ist eine „Bundesstadt“. Sie erinnert an die „Bonner Republik“ als eine politische Landschaft und Kulturtopographie.

Die „Bonner Republik“ erscheint erst aus der Rückschau als eine historische Einheit der Jahre 1949 bis 1991. Dennoch existiert bereits eine Erinnerungskultur an diese einmalige, die Geschichte NRWs und die der Bundesrepublik eng verzahnende Ära. Eine Erarbeitung der Erinnerungsorte für diese Zeit ist angesagt. Das Projekt folgt in der Idee und der Konzeption diesem Appell. Es nimmt sich vor, für diesen besonderen historischen Zeit-Raum in der realen Raum-Identität des Landes NRW und der „Bonner Republik“ eine Auswahl aus der mental map zu erstellen. Diese Kulturtopographie verbindet Orte, die geeignet sind, das Sesshaftwerden der Bonner Republik in NRW erkennbar zu machen und zugleich eine markante Erzählung über die Bonner Republik in NRW zu etablieren.

1Zur Positionierung der Bonner Republik als Provisorium vgl. Gertrude Cepl-Kaufmann, Jasmin Grande et al.: Die Bonner Republik als Forschungsschwerpunkt. Zur Konzeption eines Forschungsthemas im Kontext von Wissenschaft und Öffentlichkeit im 21. Jahrhundert. In: Dies.: Die Bonner Republik 1945-1963. Band 1. Bielefeld 2018, S. 17-34. Zur Begriffsbildung vgl. Axel Schildt: Abschied vom Westen? Zur Debatte um die Historisierung der „Bonner Republik“. In: Blätter für deutsche und internationale Politik, 10 (2000), S. 1207-1212; Manuel Becker: Geschichtspolitik in der ‚Berliner Republik‘: Konzeptionen und Kontroversen. Wiesbaden 2013; zur Geschichte der BRD vgl. Guido Thiemeyer: Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Zwischen Westbindung und europäischer Hegemonie. Stuttgart 2016.